Bremse

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Fahrradbremsen sind Bauteile zur Begrenzung oder Reduzierung der Geschwindigkeit. Sie wandeln kinetische Energie über Reibung in thermische Energie um.

Die sicherheitstechnischen Anforderungen an Fahrradbremsen sind in der DIN 79100 und DIN 79 110 festgelegt. Der international gültige Standard ist die ISO 4210.

Laut StVZO müssen Fahrräder mit zwei voneinander unabhängig zubetätigenden Bremsen ausgestattet sein. Unterschieden werden verschiedene Bauformen wie Nabenbremsen, Felgen- oder Scheibenbremsen. Angesteuert werden sie in der Regel über Seilzüge (Bowdenzug), Hydraulik oder die Antriebskette.

Streng genommen ist die Unterscheidung zwischen Felgen- und Scheibenbremse falsch, da Bauform und Wirkungsweise der Felgenbremse sich nicht von der Scheibenbremseunterscheiden.

Fading

Grundsätzlich muss beachtet werden, dass Bremsen, egal welcher Bauform, nicht für ununterbrochenes Bremsen geeignet sind. In diesem Fall kann die durch Reibung entstehende thermische Energie nicht mehr abgeführt werden. Dies führt zum sogenannten Fading, einem Nachlassen der Bremswirkung durch Überhitzung. Weitere Folgen sind extrem hoher Verschleißund eine mögliche Beschädigung von Komponenten der Bremse.

Technologien wie beispielsweise ICE-TECH des Herstellers SHIMANO sollen Fading längstmöglich hinaus zögern.

Brakebooster

Öfter werden auch sogenannte Brakebooster, Bremskraftverstärker, in Form eines hufeisenförmigen Bügels für Felgenbremsen eingebaut. Dadurch kommt es zur Stabilisierung der Anlötsockelund Druckpunkt wird verstärkt, also die Gabelschäfter werden nicht so leicht von der Bremskraft auseinandergedrückt. Obligatorisch sind diese Brakebooster beihydraulische Felgenbremsen, wie die HS33 von Magura.

Bauformen

Folgend die grundsätzlichen Bauformen von Fahrradbremsen.

Seitenzugbremsen

Die Seitenzugbremse ist eine Felgenbremse. Der Namekommt vom seitlich an die Bremse geführten Bowdenzug. Sie wurde von den wesentlich effektiveren Cantileverbremsen abgelöst und war lange Standard an Tourenrädern. Verglichen mit heutigen Bremssystemen war die Bremswirkung relativ gering.

U-Brake

U-Brake

Die U-Brake ist eine spezielle Form der Mittelzugbremse, die vorwiegend an BMX-Rädern verbaut wird. Die Bremsleistung kommt in keiner weise an die der V-Bracke heran und die optimale Einstellung ist mehr was für den geübten Mechaniker. Hier gelangen Sie zu einem extra Artikel über die U-Brake>>>.

Deltabremse

Shimano Adamas

Die Delta-Bremse ist eine sehr kompakte, aufwendige Art der Mittelzugbremse, die vornehmlich am Rennrad zum Einsatz kommt. Die bekannteste derartige Bremse ist die Delta-Bremse von Campagnolo aus den 80er Jahren. Die Bremsleistungkommt an moderne Rennradbremsen nicht heran.

Mittelzugbremsen

Die Mittelzugbremse ist eine Felgenbremse. Dank der Konstruktion sind die Bremmsarme automatisch in Bezug zur Felge zentriert. Bei der Mittelzugbremse sind die beiden Bremsarme über ein Querseilzug (Brücke) verbunden. Dieses Querkabel wird über das Hauptkabel bei Betätigung des Bremshebels nach oben gezogen unddie Bremsarme dadurch auf die Felge gepresst. Durch ihre Konstruktion entfaltet eine Mittelzugbremse ihre Bremswirkung indirekter und gleichmäßiger als die Seitenzugbremse.  

Mittelzugbremse

Mittelzugbremse --> Cantileverbremse

Die Cantileverbremse ist eine per Bowdenzug gesteuerte Felgenbremse und Weiterentwicklung der Mittelzugbremse. Die Vorteile der Cantileverbremse liegen im größeren Übersetzungsverhältnis am Bremsarm und der dadurch resultierenden höheren Bremskräfte, die auf die Felge einwirken. Ein weitererVorteil ist die hohe Verwindungssteifigkeit der kurzen Bremsarme. Oft konnten gerade Stahlrahmen die hohen Bremskräfte nicht aufnehmen und mussten mit einem Brakebooster nachgerüstet werden, um einen spürbaren Druckpunkt und befriedigende Bremsleistungen zu erreichen.

V-Bremse

Die V-Bremse ist aktuell die Standardfelgenbremse bei Touren- und Trekkingrädern und beiEinsteiger-Mountainbikes. Bei der V-Bremse besteht ein lineares Bremsverhältnis, weil durch das Ziehen die Bremskraft gleichzeitig zunimmt. Dies ergibt eine sehr gute Dosierbarkeit. Die Bremskräfte sind deutlich höher als die der Cantileverbremse. Die V-Bremse löste die Cantileverbremse als Standardfelgenbremse ab. V-Bremsen werden in der Regel per Bowdenzug gesteuert. Hier gelangen Sie zu einemextra Artikel über die V-Brake>>>.

Hydraulische Felgenbremse

Hyd. Felgenbremse

Hydraulische Felgenbremsen sind im Prinzip den Cantilever- bzw. V-Bremsen ähnlich, werden jedoch über ein hydraulischesSystem gesteuert. Bekanntester Hersteller solcher Bremsen ist die Firma MAGURA mit den Modellen HS11 und HS33. Das HS33 Modell wurde in Mitte der 1990er Jahre nicht nur erfolgreich im Mountainbikesport eingesetzt, bis sie von der Scheibenbremse abgelöst wurde.

Die Firma WENDLER entwickelte ebenfalls eine weitere hydraulisch gesteuerte Variante Ende der 1990er Jahre, die jedoch nicht aufden Markt kam.

Scheibenbremse

Bei den Scheibenbremsen wird zwischen hydraulisch und mechanisch (per Bowdenzug) gesteuerten unterschieden. Bei Scheibenbremsen werden zwei im Bremssattel befindlicheBremsklötze gegen eine dazwischen rotierende Bremsscheibe, die auf der Nabe montiert ist, gedrückt. Die dabei entstehenden sehr hohen Bremskräfte müssen vom Laufrad, Rahmen oder Gabel aufgenommen werden. Es wird zwischen den Befestigungsstandards POSTMOUNT und ISO bei der Verbindung zwischen Bremssattel und Rahmen bzw. Gabel unterschieden. Je nach Einsatzzweck werden verschieden großeBremsscheiben eingesetzt (140 - 203 Millimeter Durchmesser). Bremssättel können zwei oder mehr Bremskolben enthalten und fest oder schwimmend gelagert sein. Hydraulische Scheibenbremsen werden mit Mineralöl oder Bremsflüssigkeit befüllt (Herstellerangaben beachten!).Hier gelangen Sie zu einem extra Artikel über die Scheibenbremse >>>.

Klotzbremse

Die Klotzbremseist eine auf die Lauffläche des Vorderreifens wirkende Bremse, die über Gestänge oder Bowdenzug gesteuert wird. Mit einem einfachen Hebelmechanismus wird ein Klotz auf die Lauffläche des Reifens gedrückt. Die Bremsleistung ist gering und entspricht nicht mehr heutigen Standards.

Rollenbremse

Rollenbremse

Die Rollenbremse ist eine von SHIMANO entwickelte und per Bowdenzug gesteuerte Nabenbremse und ähnelt der Rücktritt- bzw. Trommelbremse, bei der Bremsbeläge in eine Bremstrommel gedrückt werden. Hier gelangen Sie zu einem extra Artikel über dieRollenbremse>>>.

Rücktrittbremse

Die Rücktrittbremse ist eine über die Antriebskette per Rückwärtstreten gesteuerte Nabenbremse. In der Nabe wird durch das Rückwärtstreten ein per Konus gespreizter Bremsmantel an die innere Fläche der Nabenhülse gedrückt und Reibung erzeugt. Aufbau und Wirkungsweise sind relativ einfach. Die Bremsleistung hängt maßgeblich von derPedalstellung ab. Bei einer Getriebenabe hat der eingelegte Gang ebenfalls Einfluss auf die Bremsleistung. Bei längerem Bremsen neigt die Rücktrittbremse zum Überhitzen und zum starken Fading, nicht selten verliert die Rücktrittbremsnabe beim Überhitzen ihre komplette Schmierung. Der Verschleiss der Bauteile dieser Bremsart kann nur aufwändig durch Demontage der Nabe ermittelt werden.

Trommelbremse

Die Trommelbremse ist eine häufig an Lastenlädern und Tandems verbaute Nabenbremse. Per Bowdenzug gesteuert, werden zwei Bremsbeläge von einer Bremsnocke in eine Bremstrommel gedrückt. Die Trommelbremse zeigt grundsätzlich gute Bremsleistungen, da die Bremskomponenten in der Trommel vor Witterungseinflüssen geschützt sind. Sie neigt bei starkem Gebrauch aberzum Überhitzen und daraus resultierendem starken Fading.

F-Bremse von Storck

F-Bremse

Die F-Bremse ist eine in den Rennrad-Rahmen integrierte Felgenbremse. Ihre Funktion ähnelt sehr der einer V-Brake, nur dass dieHebelarme Karbonstreifen sind, die an der Innenseite des Rahmens befestigt wurden.

Pedersen-Bremse

Eine Rarität ist die Pedersen-Bremse, die von Scott Pedersen entwickelt wurde. Im Grunde ist diese Bremse eine Cantilever-Bremse, die jedoch über eine Bremskraftverstärkung mittels eines Schneckengetriebes verfügt. Sie verschwand vom Markt, da die Fahrradrahmen zu dieserZeit der enormen Bremskraft nicht gewachsen waren.

Roller-cam-Bremse

Die Roller-cam-Bremse wurde von Charlie Cunningham von Wilderness Trail Bikes (WTB) entwickelt und ist eine Frühform einer MTB-Bremse. Diese Bremse wird an die Anlötsockel der U-Brake befestigt. Aufgrund der komplizierten Wartung und des aufwendigen Radausbaus wurde diese Bremse von dem Nachfolger derCantileverbremse verdrängt.



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