Nabenschaltung

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In den letzten Jahren hat sich viel getan auf dem Markt der Nabenschaltungen. Längst gibt es Ausführungen für beinahe jeden Einsatzzweck, und immer wieder kommen neue hinzu. Fahrrad News stellt die vier gebräuchlichsten Schaltnaben vor – und jeweils ein dazu passendes Bike.

Geschichte der Nabenschaltung

Jahrzehntelang war die Kettenschaltung das Maß allerDinge. Deutlich jüngeren Ursprungs als die ersten Nabenschaltungen, die bereits im späten 19. Jahrhundert auf den Markt kamen, beherrschte das System von Mehrfachzahnkranz und Schaltwerk das prestigeträchtige Segment der Sporträder, während der Nabenschaltung nur der ungleich größere, aber eben nicht so attraktive Markt der Alltagsräder blieb.

Diese strikte Zweiteilung ist jedochinzwischen deutlich aufgeweicht worden. Im Alltag genutzte Trekkingbikes brachten die Nabenschaltung weiter in Bedrängnis, doch Ende des vergangenen Jahrtausends kam der Gegenschlag: Mit der Speedhub 500/14 brachte die Firma Rohloff, die eigentlich als Produzent hochwertiger Schaltketten gestartet war, eine speziell für die sportliche Nutzung am Mountainbike konzipierte, ultrasolide Getriebenabeauf den Markt. Und ungefähr zur selben Zeit stellte Sachs seine „Elan“-Zwölfgangnabe vor, die nicht zuletzt wegen ihrer riesenhaften Abmessungen ein ziemlicher Flop war – obwohl sie sich mit ihrer recht gleichmäßigen Abstufung sehr angenehm fahren ließ.

Wie alle Nabenschaltungen auf dem deutschen Markt (abgesehen von der Speedhub) war auch die Elan mit Rücktrittbremse ausgestattet undsomit klar auf die Nutzung am Alltagsrad abgestimmt. Wer etwa eine Shimano Nexus mit sieben Gängen ohne Rücktritt wollte, musste sich schon gezielt nach einem Rad umschauen, dass für die Niederlande bestimmt war – meistens ein eher schwerfälliges Tourenrad im Hollandrad-Stil. Das alles änderte sich Ende 2003, da nämlich preschte Shimano mit seiner Nexus-8 vor, die zusätzlich in einer leichtenPremium-Version erhältlich war. „Mit der Nexus-8 Premium hatten wir speziell den Markt für leichte, sportliche Crossbikes im Visier“, erklärt Michael Wild vom Shimano-Importeur Paul Lange. „Und viele Radhersteller realisierten auf der Basis der Nexus-8 sehr wartungsarme Tourenräder, die wegen des Freilaufs auch sportlicheren Fahrradfahrern entgegenkamen.“

Für die Verwendung am MTB war dieNexus-8 zwar nicht freigegeben, an sportlichen Cross- und Fitnessbikes erfreute sie sich jedoch regen Zuspruchs, zumal die Standardversion ohne Rücktritt geliefert wurde. Varianten mit Rollenbremse oder als edle Alfine-8 für Scheibenbremse stellten sicher, dass wirklich jeder die passende Achtgangnabe bekam.

Ein paar Jahre später stellte Mitbewerber Sram (ehemals Sachs) eine „iMotion“genannte Neungangnabe vor – gleichmäßiger abgestuft als die Nexus-8, anfangs jedoch nur mit Rücktritt erhältlich. Eine ganz neue Wendung erhielt die Geschichte der Nabenschaltung jedoch, als der US-Hersteller Fallbrook Technologies mit einem stufenlosen Getriebe auf den Fahrradmessen auftrat. Anfangs noch groß und schwer und dem Vernehmen nach hier und da durch technische Probleme auffälliggeworden, ist die „NuVinci“ getaufte Schaltnabe inzwischen auf Nexus-Maße heruntergeschrumpft und auch härtesten Pedaltritten gewachsen.

Elektronische 11-Gangschaltung von Shimano

Das jüngste Kapitel hat wiederum Shimano aufgeschlagen: Die schon länger erwartete Alfine-11 wurde im letzten Herbst vorgestellt und ist inzwischen im Programm zahlreicher Radherstellervertreten. Gegenüber der Nexus-8 führt die Alfine-11 einen deutlich größeren Übersetzungsumfang ins Feld, dazu eine sehr gleichmäßige, beinahe schon an die Speedhub 500/14 gemahnende Abstufung. Preislich liegt sie dann auch ziemlich genau in der Mitte zwischen Nexus-8 und Rohloff.

Ab 2013 2012/2013 führt SHIMANO zwei Premium-Qualitätstechnologien zusammen: die SHIMANO ALFINE und dieDi2-Technologie. ALFINE ist die Top-Komponenten-gruppe für den Bereich City/Touring, die sich durch stilvolles Design und Getriebenaben mit breiter Abstufung auszeichnet. Di2 steht für „Digital Integrated Intelligence“ und erlaubt es, die Gänge superleicht „per Knopfdruck“ zu wechseln. Dabei sendet der Schalter ein elektronisches Signal an die Getriebenabe, die daraufhin unmittelbar dengewünschten Gangwechsel vollzieht. Zunächst im Rennradsegment eingeführt, konnte die Di2-Technologie bereits über mehrere Jahre durch fehlerfreie und perfekte Funktion in den DURA-ACE und ULTEGRA Gruppen überzeugen.

Alfine DI2 - Zuverlässige Technik

Selbst unter widrigsten Witterungs- und in extremsten Einsatzbedingungen hat die Di2 stets ihre überragende Funktion undSicherheit unter Beweis gestellt – praktisch jeder, der diese Technologie jemals am eigenen Leib „erfahren“ hat, war von der Zuverlässigkeit und Funktion schlicht begeistert.

FAZIT NABEN- ODER KETTENSCHALTUNG?

Der Markt der Nabenschaltungen ist vielfältig und bietet für im Grunde genommen jeden Fahrradtyp ein passendes System – das Rennrad einmal ausgenommen.Für einfache Tourenräder sind Dreigangnaben erhältlich, fürs Highend-Mountainbike die Rohloff Speedhub. Bis auf diese sind jedoch alle Getriebenaben dem Übersetzungsumfang einer 3?x?9-Kettenschaltung weit unterlegen. Alltagsfahrten, Touren und gemäßigt sportlicher Einsatz sind kein Problem – wo es jedoch wirklich steil wird, stoßen Shimano wie NuVinci an ihre Grenzen. Kettenschaltungen habenüberdies den Vorteil, dass man die Übersetzung individuell anpassen kann – zumindest im Rahmen der von den Herstellern angebotenen Ritzelpakete und Kettenblätter. Bei der Nabenschaltung lässt sich nur die Primärübersetzung ändern, jedoch – wie wir gesehen haben – in engen Grenzen, vor allem, was den Bereich der leichten Gänge angeht.

Nabenschaltungen punkten dort, wo es um größtmöglicheWartungsarmut geht, also vor allem an Alltagsrädern. Und für die reicht der angebotene Übersetzungsumfang allemal aus. Übrigens: Wer die aufgeräumte Optik einer Nabenschaltung schätzt, aber dennoch einen großen Übersetzungsbereich wünscht, könnte mit Hybridschaltungen wie der Sram DualDrive glücklich werden. Bei dieser wird eine Dreigangnabe mit einem Neunfach-Zahnkranz kombiniert, was eineriesige Übersetzungsbandbreite ergibt; dabei sitzt die komplette Schaltung am Hinterrad und es ist nur ein Kettenblatt nötig.



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